Asyltreff BEIZ vom 22. März 2019 - Zeitungsartikel Bremgarter Bezirksanzeiger vom 26.3.2019

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Am Freitagabend, 22. März 2019 öffnete die BEIZ für geladene Gäste. Erika Obrist Redaktorin bei der Zeitung "Bremgarter Bezirksanzeiger" war ebenfalls unter den geladenen Gäste. Sie hat einen Artikel in ihrer Zeitung veröffentlicht und diesen uns zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank.
Maria Trost-Hansemann,
Auf starke Beine gestellt

Mutschellen: In der Asyltreff-BEIZ kamen Freiwillige und Asylsuchende zusammen

Seit rund einem Jahr gibt es den Asyltreff Mutsch der reformierten Kirche. Die wöchentlichen
Deutschkurse sind so gut besucht, dass das Lokal gewechselt werden musste. Im Jugendpavillon wurde auf das erfolgreich angelaufene Projekt angestossen.

Erika Obrist

In der Küche im Jugendpavillon treffen Zaher, Aref, Tahera und Massud die letzten Vorbereitungen für das Essen. Die Asylsuchenden haben miteinander das afghanische Nationalgericht gekocht. Seit bald fünf Stunden stehen sie in der Küche. Im letzten Moment haben sie sich entschieden, neben Suppe und Hauptgang auch einen Gemüsesalat vorzubereiten. Also ab in die nahe Migros und das Notwendige einkaufen.
Nebenan sind die langen Tische gedeckt für rund fünfzig Gäste. Auf der kleinen Bar stehen Getränke und kleine Snacks bereit. Rahikla, Senait und Shewit haben daheim in ihrer Unterkunft eritreische Spezialitäten gekocht, die sie nun auf einem Tisch bereitstellen.

Zum fünften Mal kommen Freiwillige und Asylsuchende in der Asyltreff-Beiz zusammen. Statt über Mittag ist die Beiz diesmal am Abend geöffnet. Zum einjährigen Bestehen des Asyltreffs sind auch Behördenmitglieder eingeladen sowie Gewerbetreibende,
die Asylsuchende beschäftigen. «Seit es diesen Treff gibt, hat sich die Situation merklich entspannt», sagt Rudolfstettens Gemeinderätin Susanne Wild. «Auch der Aufwand der Verwaltung ist gesunken.» Erstaunlicherweise ist sie an diesem Abend die einzige Vertreterin einer Gemeindebehörde, welche der Einladung gefolgt ist.

In die Arbeitswelt integrieren Sozialdiakonin Maria Trost freut sich, dass der Asyltreff nach nur einem Jahr auf derart starken Beinen steht. Mehr als zwanzig Freiwillige engagieren sich im Deutschtreff, in einem Tandem und in der Beiz. «Der kulturelle Austausch als viertes Standbein beginnt nun ebenfalls», weiss Sozialdiakon Manuel Keller. Zu Beginn steht ein Besuch des Strohmuseums in Wohlen auf dem Programm. An der Gewerbeausstellung auf dem Mutschellen werden Tandems unterwegs sein und schauen, welche beruflichen Möglichkeiten in der Region vorhanden sind. Einen Arbeitsplatz gefunden haben bereits Aref, Rahman und Massud. Alle im Automobilgewerbe. «Er macht sich gut», sagt Cyrill Hügli von der Hügli Bahnhofgarage in Berikon über Aref, der ein Praktikum absolviert. «Aber seine Sprachkenntnisse muss er noch verbessern.» Massud arbeitet in der Garage Mutschellen. Bereits eine Ausbildung angefangen
hat Rahman. Der 27-Jährige aus Afghanistan wohnt seit bald drei Jahren in der Schweiz und hat eine Anstellung bei der Brunner AG in Zufikon. Die Arbeit sei spannend, erzählt
er, «aber ich muss mein Deutsch noch verbessern.»

«Ein christlicher Auftrag»
An einem der langen Tische im Jugendpavillon sitzt Rita Zimmerli aus Berikon. Sie wohnt direkt neben der Asylunterkunft, in der junge Männer untergebracht sind. Die Betreuung der Asylsuchenden hat die Gemeinde dem kantonalen Sozialdienst übertragen. Dieser sei jedoch kaum vor Ort ausser zur Auszahlung des Gelds an die Asylsuchenden einmal in der
Woche. Also wurde Rita Zimmerli bei der reformierten Kirche vorstellig, bei der sie auch als Katechetin tätig ist, und forderte sie auf, etwas für die Betreuung und Integration der Asylsuchenden anzubieten. «Das ist doch ein christlicher Auftrag», sagt Zimmerli. Es habe mehrere Anläufe gebraucht sowie Hans Albisser und Heinz Müller, beide ebenfalls aus Berikon,
als Verstärkung, bis die Kirchgemeinde tätig geworden sei. Sie hat gut daran getan, sich Zeit
zu lassen und erst ein Konzept auszuarbeiten, in dem Ziele, Massnahmen, Verantwortliche und Finanzen festgehalten sind. In der Kerngruppe arbeiten Pfarrer Hans Jakob, die Sozialdiakone
Maria Trost und Manuel Keller sowie Praktikant Michael Koller. Finanziert wird der Asyltreff aus
Kirchenmitteln, mit einem Zustupf aus der Stiftung Fondia des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds und einem namhaften Betrag einer Privatperson aus Oberwil-Lieli.

Angebot ist gefragt
Das Angebot hat sich bei den Asylbewerbern herumgesprochen. Der Deutschkurs, der zu Beginn im Unterrichtszimmer im kirchlichen Zentrum erteilt wurde, findet aus Platzgründen seit einiger Zeit ebenfalls im Jugendpavillon statt. Die Tandems, bei denen jeweils ein Freiwilliger mit einem Asylsuchenden zusammen ist, sind auf fruchtbarem Boden unterwegs. Einmal pro Woche
oder alle zwei Wochen einmal kommen sie zusammen. Hier werden Probleme des Alltags besprochen wie Arztbesuche, Behördengänge und Rechtsfragen und die Asylsuchenden werden mit den lokalen Begebenheiten vertraut gemacht. Die Freiwilligen erhalten eine Einführung in ihre Tätigkeit. Auch finden regelmässig Treffen zum Erfahrungsaustausch
statt. Weiter hält die Kerngruppe Kontakt zu den Behörden und zu den anderen Integrationsprojekten in der Region.

Dass der Asyltreff derart erfolgreich sei, liege an den Partnern, sagte Maria Trost: an den Freiwilligen und den Asylsuchenden.