Sprache und Kultur vermitteln

Asyltreff Mutsch<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-bremgarten-mutschellen.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>73</div><div class='bid' style='display:none;'>858</div><div class='usr' style='display:none;'>4</div>
Asylsuchende sind an ihrem neuen Wohnort oftmals überfordert. Die Sprache, das lokale Umfeld, die Rechtslage - alles ist ungewohnt. Der Asyltreff Mutsch unterstützt Asylsuchende beim «Fuss fassen» in der neuen Umgebung.
Manuela Siegrist,
Bremgarter Bezirksanzeiger vom 2.11.2018 / Erika Obrist

Im Unterrichtszimmer im Kirchlichen Zentrum Mutschellen sitzt ein junger Asylbewerber über ein Lehrbuch gebeugt und büffelt Deutsch. Zwei Stunden lang jeden Mittwochnachmittag. «Er ist schon weiter als die anderen und wird deshalb einzeln gefördert», erklärt Michael Koller, Praktikant in der reformierten Kirchgemeinde und Koordinator des Asyltreffs Mutsch.
«Die anderen» sitzen im Nebenzimmer und lernen Deutsch. Freiwillige sitzen neben den Flüchtlingsfrauen. Unterstützen sie, sprechen mit ihnen. Helfen hier bei der Suche nach dem treffenden Wort, dort bei der richtigen Schreibweise. Zwei kleinen Kindern wird es langweilig. Eine Freiwillige nimmt sie mit sich in die Küche nebenan. Spielt mit ihnen und bringt ihnen erste Worte bei, indem sie mit ihnen die Ausstattung durchgeht.

Konzept erarbeitet

Seit Anfang Mai gibt es den Asyltreff Mutsch am Mittwochnachmittag. Er steht allen Asylsuchenden aus den Mutschellengemeinden offen. Die reformierte Kirchgemeinde Bremgarten-Mutschellen hat ihn ins Leben gerufen, nachdem eine Privatperson aus Berikon auf sie zugegangen war mit der Bitte, den Asylsuchenden Unterstützung anzubieten. Die Frau aus Berikon stiess auf offene Ohren. Sozialdiakonin Maria Trost, Sozialdiakon Manuel Keller und Pfarrer Hans Jakob machten sich an den Aufbau des Asyltreffs Mutsch. Dann stiess Michael Koller dazu, der ein Praktikum in der Kirchgemeinde absolviert. Sie bilden die Kerngruppe, sie haben ein Konzept ausgearbeitet und die Grundlagen für den Einsatz von Freiwilligen.

Spracherwerb steht an erster Stelle

Das Konzept beinhaltet vier Schwerpunkte. Mit «Konversation Deutsch» wurde letzten Mai gestartet. «Weil die Verständigung in der lokalen Sprache der wichtigste Grundstein zur Integration ist», wie Manuel Keller weiss. Und weil die Asylsuchenden unbedingt Deutsch lernen wollen. Lehrmittel wurden angeschafft, mit denen die Freiwilligen unterrichten. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, dass sich die Flüchtlinge im Alltag verständigen können mit den Behörden und der lokalen Bevölkerung. Als zweiter Schwerpunkt wurden «Tandems» gebildet. Hier gehen die Freiwilligen einmal pro Woche oder alle 14 Tage in die Unterkünfte der Asylsuchenden und beraten sie bei Problemen und erklären ihnen, was von ihnen erwartet wird. Die Freiwilligen vermitteln auch Kontakte zu Vereinen und zu möglichen Arbeitgebern. «Ein Flüchtling hat letzten August eine Ausbildung begonnen, ein zweiter hat im nächsten Jahr eine Lehrstelle in Aussicht», freut sich Michael Koller.

Kontakte mit der Bevölkerung ermöglichen

«Asyltreff-Lokal» ist der dritte Schwerpunkt, der ab diesem Monat angeboten wird. «Ziel ist, dass die Bevölkerung mit den Asylsuchenden in ungezwungenem Rahmen in Kontakt kommt», so Michael Koller. Das ist sehr gut möglich, wenn man miteinander kocht und miteinander isst. Ab nächstem Jahr stehen als vierter Schwerpunkt einmal im Monat Ausflüge auf dem Programm. So sollen die Flüchtlinge die nähere und weitere Umgebung kennenlernen. Dabei wird ihnen auch die Kultur nähergebracht. «Die Asylsuchenden sollen möglichst rasch selbstständig werden», nennt Michael Koller das Ziel des Engagements von Kirche und Freiwilligen. «Welche Ziele jeder einzelne Asylsuchende erreichen möchte, muss er selber wissen; wir unterstützen und begleiten ihn auf seinem Weg.» Der Sprachkurs und die Tandems seien gut angelaufen; die Angebote würden genutzt, so Koller. Die Mitglieder der Kerngruppe und die Freiwilligen treffen sich vierteljährlich zum Erfahrungsaustausch. Die Kerngruppe bietet auch Standortgespräche an und Weiterbildung. Die Kosten für die Lehrmittel und die Spesenabgeltung der Freiwilligen (sofern erwünscht) tragen eine private Stiftung und die Kirchgemeinde.

Weitere Freiwillige gesucht

«Mittlerweile sind mehr als ein Dutzend Freiwillige für den Asyltreff Mutsch tätig», freut sich Michael Koller. «Weitere Freiwillige sind jederzeit willkommen.» Sie werden von der Kerngruppe auf ihre Aufgaben vorbereitet und dort eingesetzt, wo sie ihr Wissen und Können am besten einbringen können. Damit der Asyltreff Mutsch nicht im luftleeren Raum vor sich hin werkelt, wird der Kontakt mit den Gemeinden gesucht. «Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung sind am häufigsten in den Unterkünften; sie können die Asylsuchenden über die Existenz des Projekts informieren », so Keller. Ebenfalls gepflegt wird der Kontakt mit kirchlichen und kantonalen Organisationen, die ähnliche Projekte angestossen haben. Den Grund für das Engagement der Kirche für die Asylsuchenden nennt Keller in einem Satz: «Die Kirche hat dazusein für die Menschen.»