Kurzbeschrieb Projekt Asyltreff MUTSCH

Kurzbeschrieb des Projekts:

Mit dem Projekt Asyltreff MUTSCH wollen wir als strukturierende und koordinierende Ansprechinstanz Freiwilligen zur Seite stehen, die Asylsuchenden aus dem Raum Mutschellen bei der Integration behilflich sind. Anbieten wollen wir einen Sprachtreff (mit Kinderhütedienst und 1x im Monat gemeinsamem Kochen und Essen), Hilfe vor Ort (=Tandem) bei Fragen bezüglich Wohnen, Familie, Schule, Arbeit, Recht, Behörden und Gesundheit sowie regelmässige Ausflüge in die Umgebung (Kennenlernen lokaler Kultur und Natur). Trägerin ist die reformierte Kirche Bremgarten – Mutschellen.
Logo Asyltreff MUTSCH_1<div class='url' style='display:none;'>/</div><div class='dom' style='display:none;'>ref-bremgarten-mutschellen.ch/</div><div class='aid' style='display:none;'>19</div><div class='bid' style='display:none;'>872</div><div class='usr' style='display:none;'>11</div>Logo Asyltreff MUTSCH_1
Ausgangslage:

Wer aus seiner Heimat flüchten musste, ist in dem Land, in dem er schliesslich ankommt, zunächst einmal ziemlich überfordert: alles ist neu und ungewohnt, die Sprache, die Sitten und Gebräuche, das lokale Umfeld, die Angebote und Möglichkeiten, die Rechtslage… Bis man «Fuss gefasst» hat, dauert es infolgedessen ziemlich lange, namentlich, wenn man sich weitgehend alleine durchschlagen muss. Der Prozess ist für die Asylsuchenden daher oftmals geprägt von langen Zeitintervallen in erzwungener «Abwartehaltung», Missverständnissen, Frustration, Isolation und Einsamkeit, teilweise auch von Fehlinformationen, die unter den Asylsuchenden selbst hartnäckig kursieren. Die administrative Betreuung kann diese - auch emotionalen - Belastungen nicht alleine auffangen. Andererseits ist Integration auch für die Gesellschaft ein langwieriges und kostspieliges Unterfangen mit ungewissem Ausgang.
Hier wollen wir ansetzen: indem wir Asylsuchende und Freiwillige zusammenbringen, tragen wir dazu bei, dass der Prozess kürzer und effektiver wird, dass die «Reibungsverluste» abnehmen – und idealerweise dazu, dass die Asylsuchenden in der Öffentlichkeit weniger als Belastung und mehr als Bereicherung angesehen werden. Durch die gründliche Einführung, Begleitung und Weiterbildung der Freiwilligen stellen wir deren langfristige Motivation und ihre Eignung für ihre schwierige Aufgabe sicher.

Ziele:

Das übergeordnete Ziel ist es, den Prozess der Integration der Asylsuchenden kürzer und effizienter zu machen, d.h. sie auf ihrem Weg zum voll partizipierenden Mitglied der Gesellschaft zu unterstützen und zu begleiten. Dies wiederum bedingt das Erreichen einer Reihe von untergeordneten Zielen, deren Kombination und konkrete Ausgestaltung je nach den Vorstellungen und Ressourcen und der jeweiligen Situation der Asylsuchenden zusammenzustellen ist: unabdingbare Voraussetzung auch für das Erreichen der anderen Ziele ist dabei sicher das Erlernen einer Landessprache. Ebenfalls wichtig ist die Kenntnis der eigenen (juristischen und staatsbürgerlichen) Rechte und Pflichten sowie der vielfältigen Sitten, Gebräuche und Werthaltungen der Bevölkerung des aufnehmenden Landes. Drittens ist es förderlich – aber gerade in der Anfangsphase der Wohnsitznahme in den Gemeinden aufgrund der oft noch lange laufenden amtlichen Prozesse nicht leicht zu erreichen – wenn eine stabile Tagesstruktur aufgebaut werden kann. Natürlich führen hierbei wieder verschiedene Wege ans Ziel: je nachdem lassen sich die Ressourcen des Wohnumfelds nutzen (bspw. haben gewisse Asylunterkünfte einen Garten), oder man bemüht sich mit den Asylsuchenden um die Aufnahme in einen passenden Verein, oder man sucht mit ihm / ihr eine Arbeitsstelle. Vereinsmitgliedschaft und Berufsarbeit / Schnupper-Praktika haben dabei den zusätzlichen Vorteil, auch im Dienst eines vierten Ziels zu stehen: der Vernetzung der Asylsuchenden mit der lokalen Bevölkerung.

Massnahmen:

Der Asyltreff MUTSCH beruht auf Freiwilligenarbeit. Seine Aufgabe besteht darin, den Initiativen zur Unterstützung der Asylsuchenden eine Struktur zu geben. Zum einen bedeutet dies, einzelne Asylsuchende und Freiwillige zu einem Tandem zusammenzuschliessen, welches sich regelmässig und langfristig den konkreten Herausforderungen des Alltags annimmt. Die Drehscheibe des Asyltreffs Mutsch unterstützt diesen Prozess durch eine gründliche Einführung, ein Manual zur freiwilligen Asylarbeit, regelmässige Standortbesprechungen, eine Ansprechperson für Fragen und Probleme, durch Weiterbildungskurse und ein Gefäss für den Erfahrungsaustausch unter den Freiwilligen. Ausserdem fungiert sie für die Asylsuchenden selbst als Ombudsstelle.

Zum anderen bietet das Projekt in den Räumlichkeiten der ref. Kirche einen wöchentlichen Konversationstreff an, der drei Aufgaben zu erfüllen hat: einen nach Ausgangsniveau gegliederten Sprachunterricht mit Akzent auf der Bewältigung von Alltagssituationen, die spielerische Vermittlung von Kenntnissen über hiesige Sitten, Gebräuche und Werthaltungen, sowie ein Gefäss für Begegnungen zwischen allen interessierten Freiwilligen und Asylsuchenden und unter den Asylsuchenden selbst zu bieten. Hier bringt das Projekt die Lernmaterialien und einen Kinderhütedienst ein, da mehrere junge Mütter in unseren Gemeinden untergebracht worden sind. Um den geselligen Aspekt zu unterstreichen, verbinden wir den Sprachkurs einmal monatlich mit gemeinsamem Kochen und Essen.

Quantitativ gefasst streben wir in den einzelnen Bereichen die folgenden Richtgrössen an:

Sprachkurs: Es wird einmal wöchentlich ein zweistündiger Kurs angeboten (prinzipiell ohne Ferien, also 50 – 52 Kurstage pro Jahr). Nach einem gemeinsamen Beginn, der sich häufig mit Themen befassen wird, die spielerisch in die verschiedenen Sitten, Gebräuche und Werthaltungen in der Schweiz einführen, wird im Hauptteil getrennt nach Anspruchsniveau an Grundlagenübungen gearbeitet. Während des Ausklangs steht der gesellige Aspekt, das gemeinsame Diskutieren und die zwanglose Anwendung der Sprache im Vordergrund. Angestrebt wird, je Anspruchsniveau (namentlich A1 und A2) 10 Plätze zu besetzen.

Tandem: Es sollen Tandems für 30 Asylsuchende gebildet werden. Dabei werden Treffen einmal pro Woche oder alle 14 Tage angestrebt. Weiterbildungsangebote, Standortgespräche und Erfahrungsaustausche sollen vierteljährlich durchgeführt werden. Das Manual zur Freiwilligenarbeit dient auch dem kumulativen Erkenntnisgewinn. Neue Erfahrungen aus den Tandems werden halbjährlich eingearbeitet.

Ausflüge: 1x monatlich zu Zielen in der Umgebung (in die Natur oder z. B. zu Bauwerken von kultureller Bedeutung).

Ressourcen:

In das Projekt sind ein Pfarrer (Hans Jakob) und zwei Sozialdiakone (Manuel Keller und Maria Trost) involviert. Da sie den mit dem Projekt verbundenen Konzeptions- und Koordinationsaufwand – gerade in der Anfangsphase – nicht allein bewältigen können, werden sie von einem Praktikanten mit 60%-Pensum unterstützt (gegenwärtig Michael Koller).

Weitere notwendige Ressourcen betreffen die Lehrmittel für den Sprachkurs, die Spesenabgeltung für Freiwillige (sofern erwünscht), ein «Mobilitätsstipendium» für die Asylsuchenden (niemand soll von Aktivitäten ausgeschlossen sein, weil er/sie sich das Ticket nicht leisten kann). Diese sollen wo immer möglich durch Zuschüsse (private und öffentliche Stiftungen) finanziert werden.

Kooperationen / Vernetzung:

Die hauptsächlichen Partner des Projekts sind die Freiwilligen und die Asylsuchenden. Es wird angestrebt, deren Zusammenarbeit im Tandem in einer Vereinbarung abzustützen, welche Dauer, Frequenz und generelle Ziele der Besuche festhalten. Daneben wird ein regelmässiger Dialog mit den betroffenen Gemeinden gesucht, da sie die Asylsuchenden ideal über die Existenz des Projekts orientieren können, häufig den Erstkontakt mit neuen Freiwilligen haben und verschiedene regionale Projekte miteinander kurzschliessen können. Sodann wenden wir uns an lokale Partner wie den Gewerbeverband, die Pfadi, Sportvereine, die Frauengemeinschaft etc. Schliesslich wird ein konzeptioneller Austausch mit kirchlichen und kantonalen Organisationen gesucht, die (in anderen Regionen) ähnliche Projekte angestossen haben oder von denen allgemeine Inputs für die Projektarbeit oder koordinative Leistungen erwartet werden können (z.B. Integration Aargau, regionale Koordinationsstelle für Freiwilligenarbeit, Wohlen).